Anatomisch präzises Yoga mit Beate Willer und ihrem Team in Fürstenwalde an der Spree.

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Liebe Yogafreunde,

kennt Ihr auch diesen flapsigen Spruch: Ist das Kunst oder kann das weg? Gemeint ist wohl: Wertvolles gehört ins Museum, in die heimische Glasvitrine oder in die XL-Garage – so als wären die kostbaren, weil teuren Dinge damit unzerstörbar bis in alle Ewigkeit.

In der buddhistischen Tradition würde man vermutlich eher sagen: Ist das Kunst? Dann kann das weg! Denken wir nur an die filigrane Kunstform der Mandalas. In Stunden, Tagen oder Wochen werden sie aufwändig hergestellt, nur um direkt danach von ihren Schöpfern unwiederbringlich zerstört zu werden. Warum? Weil sie nicht nur eine Kunstform sind, sondern auch ein Symbol dafür, dass in allen Dingen, die entstehen, bereits die Vergänglichkeit innewohnt.

Was für ein verrückter Gedanke, dass irgendetwas total unabhängig und von Dauer ist! Allerdings wird uns das erst dann klar, wenn wir uns Zeit nehmen, genauer hinzuschauen. In meinem dreiwöchigen Meditations-Retreat in Möhra hatte ich dazu ausreichend Gelegenheit – auf dem Kissen und auch drum herum.

So steht im Essensraum des tibetisch-buddhistischen Zentrums ein altes Klavier. Christoph, ein Meditations-Schüler und begnadeter Musiker, entlockt dem Instrument die wunderbarsten Klänge, gerne von Johann Sebastian Bach. Abends sitzen wir andächtig um ihn herum. Alle hören das gleiche Musikstück und doch erlebt jeder von uns etwas anderes. Ich bin fasziniert von der Vielschichtigkeit der Musik, ein anderer fokussiert mehr auf das verstimmte Klavier (und ist deswegen leicht verstimmt). Eine ältere Dame fühlt sich berührt, weil an die Hauskonzerte ihrer Eltern erinnert. Kein einziger Ton erzeugt in uns Zuhörern exakt dieselbe Erfahrung. Alles ist sehr persönlich, subjektiv, entsteht im Moment des Hörens zwischen unseren eigenen Ohren. Dann ist das  Musikstück plötzlich zu Ende. Abrupte Stille. Es ist so, als wäre nie auch nur ein Ton auf dem Instrument gespielt worden.

Und was bleibt? Eine Erinnerung – sehr individuell und neu zusammengesetzt aus dem, was wir alles mit der bloßen Hör-Erfahrung verknüpfen. In jedem Moment kreieren wir selber unser inneres Erleben. So wie bei der Klaviermusik läuft es immer. Wir machen ein Ding aus allem, was wir erfahren. Wir bilden uns ein, dass wir Bescheid wüssten, dass unsere Sicht die Wahrheit wäre. Nur Pech, dass wir dabei vergessen, dass alles extrem persönlich eingefärbt und darüber hinaus eine Momentaufnahme ist.

Der Meditations-Meister Jigme Rinpoche sagt dazu: „Wir lösen das Mandala auf, um uns selbst daran zu erinnern, dass alles, was in dieser Welt wirklich erscheint, nichts anderes als eine Illusion ist… Wer ein wunderschönes Haus gebaut hat, wer eine berühmte Firma aufgebaut hat, wer eine glückliche Familie gegründet hat, sollte all dies lieben, ohne je allzu sehr damit zu verhaften, wie auch die Mönche, die ein Mandala erstellt haben, genügend Liebe entfalten, um ein gutes Mandala zu kreieren, ohne jedoch an ihm zu hängen.“*

Von heute (Do., 18.7.) bis Do., 25.7., unterrichte ich endlich wieder zuhause bei Mandala Yoga. 

Danach gehe ich noch einmal bis zum Ferienende mit meiner Tochter ins Medi-Familiencamp nach Möhra. Ab Montag, den 5. August, laufen alle Kurse wieder nach regulärem Stundenplan.

Eine erholsame restliche Ferienzeit wünscht

Beate
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*Lama Jigmela Rinpoche: Schlüsselwörter des Buddhismus: Ein Sesam-öffne-dich-Buch. Edizioni AMRITA. S. 77.